Louis Vuitton prüfen: worauf es beim Ankauf ankommt
Kaum eine Marke wird so oft gefälscht. Wenn Sie eine Tasche aus dem Nachlass oder aus dem eigenen Schrank verkaufen möchten, hilft es zu wissen, worauf ein Händler zuerst sieht – und was gar nichts beweist.
- Bis März 2021 trug fast jede Tasche einen Datumscode, danach einen Chip
- Naturleder wird mit den Jahren dunkel – hellhell an alter Tasche ist auffällig
- Karton, Staubbeutel und Rechnung beweisen für sich genommen nichts
- Sicher ist nur die Prüfung am Stück – Fotos reichen für eine Vorauswahl
Sechs Stellen, die etwas verraten
Keine dieser Stellen entscheidet allein. Gute Fälschungen bestehen einzelne Prüfungen durchaus – erst das Zusammenspiel ergibt ein Bild. Wenn mehrere Punkte nicht stimmen, ist die Sache meist klar.
Datumscode
Zwei Buchstaben für die Fertigungsstätte, dann vier Ziffern. Eingeprägt im Leder oder auf einer kleinen Lasche im Inneren, oft schwer zu finden.
Heißprägung
Der Schriftzug ist scharf und gleichmäßig tief geprägt. Verlaufende Ränder, ungleiche Buchstabenabstände und schiefe Zeilen sprechen dagegen.
Nähte und Garn
Gleichmäßige Stichlängen, senfgelbes Garn, an den Laschen eine feste Stichzahl. Unregelmäßige Nähte sind ein deutliches Zeichen.
Beschläge
Messing, spürbar schwer, mit sauber eingravierter Beschriftung. Leichte, glänzend lackierte Teile passen nicht ins Bild.
Canvas und Kanten
Beschichtetes Gewebe, kein weiches Plastik. Die Kanten sind sauber gefasst und gefirnisst, ohne sichtbare Klebereste.
Innenfutter und Herkunft
Gefertigt wird in Frankreich, Spanien, Italien und den USA. Ein Hinweis auf eine Fertigung in Fernost passt nicht zur Marke.
Wichtig zu wissen: Der Datumscode ist kein Echtheitsbeweis. Er stand auch auf Fälschungen, teils sogar in plausibler Form. Er hilft beim Datieren, ersetzt aber keine Prüfung – und seit 2021 gibt es ihn ohnehin nicht mehr.
Wie Sie das Alter bestimmen
Von den 1980er Jahren bis März 2021 verwendete das Haus Datumscodes. Zwei Buchstaben stehen für die Fertigungsstätte, die Ziffern für den Zeitpunkt. Seit den 1990er Jahren bilden die erste und die dritte Ziffer die Kalenderwoche, die zweite und die vierte das Jahr – aus 1024 wird also Woche 14 des Jahres 2020. In den 1980er Jahren stand statt der Woche der Monat.
Seit März 2021 ersetzt ein eingearbeiteter Chip den sichtbaren Code. Neuere Taschen haben also keinen Zahlencode mehr – das ist kein Mangel, sondern der Normalfall. Bei älteren Modellen sitzt der Code je nach Serie an unterschiedlichen Stellen: in einer Innentasche, unter einer Naht oder auf einer kleinen Lederlasche.
- Zwei Buchstaben als Herkunft der Fertigungsstätte
- Ziffern eins und drei als Kalenderwoche, zwei und vier als Jahr
- In den 1980er Jahren Monat statt Woche
- Ab März 2021 kein sichtbarer Code mehr, sondern ein Chip
- Patina des Naturleders als zusätzlicher Hinweis auf das Alter
- Modellname und Ausführung als Eingrenzung der Bauzeit
Was den Preis macht
An erster Stelle steht das Modell. Dauerläufer wie Speedy, Alma, Keepall und Neverfull sind gefragt, weil sie überall verkauft werden können. Deutlich darüber liegen historische Reisestücke – Schrankkoffer und alte Reisetaschen mit Messingbeschlägen – sowie limitierte Ausgaben aus Künstlerzusammenarbeiten. Standardmodelle jüngeren Datums bewegen sich im gewöhnlichen Rahmen.
Danach entscheidet der Zustand, und dabei besonders das Naturleder an Henkeln und Ecken. Wasserflecken, dunkle Griffspuren und abgeriebene Ecken sind die häufigsten Wertminderer. Innen zählen Gerüche und Abrieb des Futters, außen die Funktion der Reißverschlüsse. Staubbeutel, Schloss, Schlüssel und Rechnung erhöhen den Preis, beweisen aber nichts über die Echtheit.
- Modell – Dauerläufer, historisches Reisestück oder Sondermodell
- Zustand des Naturleders an Henkeln und Ecken
- Funktion von Reißverschlüssen, Schlössern und Druckknöpfen
- Innenfutter: Abrieb, Flecken, Geruch
- Zubehör: Schloss, Schlüssel, Schulterriemen, Staubbeutel
- Seltenheit der Ausführung und der Farbstellung
Was uns immer wieder begegnet
„Die Seriennummer beweist die Echtheit“
Es gibt keine Seriennummer – was viele dafür halten, ist der Datumscode. Er sagt, wann und wo gefertigt wurde, nicht ob echt. Fälschungen tragen ihn ebenfalls, teils in stimmiger Form.
„Karton und Staubbeutel sind ein Nachweis“
Beides wird in großen Mengen nachgemacht und separat verkauft. Es erhöht den Preis einer echten Tasche, taugt aber nicht als Beleg. Dasselbe gilt für Kopien von Rechnungen.
„Made in USA heißt Fälschung“
Nein. Das Haus fertigt seit Langem auch außerhalb Frankreichs – unter anderem in Spanien, Italien und den USA. Diese Angaben sind völlig regulär.
„Das Naturleder muss hell bleiben“
Im Gegenteil: Unbehandeltes Naturleder wird mit den Jahren honigfarben und später dunkel. Eine sehr helle Lederpartie an einer erkennbar alten Tasche spricht eher für einen Austausch – und der wirkt sich auf den Preis aus.
Häufige Fragen
Wo finde ich den Datumscode?
Kann man die Echtheit an Fotos erkennen?
Was passiert, wenn es eine Fälschung ist?
Stellen Sie ein Echtheitszertifikat aus?
Meine Tasche hat dunkle Griffe und abgestoßene Ecken. Lohnt sich das noch?
Soll ich die Tasche vorher reinigen?
Kaufen Sie auch Kleinlederwaren?
Was ist mit anderen Marken?
Wie läuft der Ankauf ab?
Unsicher? Wir sehen es uns an
Schicken Sie uns Fotos der Heißprägung, der Nähte und des Innenfutters. Wir sagen Ihnen, was Sie haben – kostenlos, unverbindlich und ohne Beschönigung.
