Ratgeber

Louis Vuitton prüfen: worauf es beim Ankauf ankommt

Kaum eine Marke wird so oft gefälscht. Wenn Sie eine Tasche aus dem Nachlass oder aus dem eigenen Schrank verkaufen möchten, hilft es zu wissen, worauf ein Händler zuerst sieht – und was gar nichts beweist.

Kurz gefasst
Woran ein Händler zuerst sieht

Sechs Stellen, die etwas verraten

Keine dieser Stellen entscheidet allein. Gute Fälschungen bestehen einzelne Prüfungen durchaus – erst das Zusammenspiel ergibt ein Bild. Wenn mehrere Punkte nicht stimmen, ist die Sache meist klar.

Datumscode

Zwei Buchstaben für die Fertigungs­stätte, dann vier Ziffern. Eingeprägt im Leder oder auf einer kleinen Lasche im Inneren, oft schwer zu finden.

Heißprägung

Der Schriftzug ist scharf und gleichmäßig tief geprägt. Verlaufende Ränder, ungleiche Buchstaben­abstände und schiefe Zeilen sprechen dagegen.

Nähte und Garn

Gleichmäßige Stich­längen, senf­gelbes Garn, an den Laschen eine feste Stichzahl. Unregel­mäßige Nähte sind ein deutliches Zeichen.

Beschläge

Messing, spürbar schwer, mit sauber eingravierter Beschriftung. Leichte, glänzend lackierte Teile passen nicht ins Bild.

Canvas und Kanten

Beschichtetes Gewebe, kein weiches Plastik. Die Kanten sind sauber gefasst und gefirnisst, ohne sichtbare Klebe­reste.

Innenfutter und Herkunft

Gefertigt wird in Frankreich, Spanien, Italien und den USA. Ein Hinweis auf eine Fertigung in Fernost passt nicht zur Marke.

Wichtig zu wissen: Der Datumscode ist kein Echtheitsbeweis. Er stand auch auf Fälschungen, teils sogar in plausibler Form. Er hilft beim Datieren, ersetzt aber keine Prüfung – und seit 2021 gibt es ihn ohnehin nicht mehr.

Wie Sie das Alter bestimmen

Von den 1980er Jahren bis März 2021 verwendete das Haus Datumscodes. Zwei Buchstaben stehen für die Fertigungsstätte, die Ziffern für den Zeitpunkt. Seit den 1990er Jahren bilden die erste und die dritte Ziffer die Kalenderwoche, die zweite und die vierte das Jahr – aus 1024 wird also Woche 14 des Jahres 2020. In den 1980er Jahren stand statt der Woche der Monat.

Seit März 2021 ersetzt ein eingearbeiteter Chip den sichtbaren Code. Neuere Taschen haben also keinen Zahlencode mehr – das ist kein Mangel, sondern der Normalfall. Bei älteren Modellen sitzt der Code je nach Serie an unterschiedlichen Stellen: in einer Innentasche, unter einer Naht oder auf einer kleinen Lederlasche.

Was den Preis macht

An erster Stelle steht das Modell. Dauerläufer wie Speedy, Alma, Keepall und Neverfull sind gefragt, weil sie überall verkauft werden können. Deutlich darüber liegen historische Reisestücke – Schrankkoffer und alte Reisetaschen mit Messing­beschlägen – sowie limitierte Ausgaben aus Künstler­zusammen­arbeiten. Standard­modelle jüngeren Datums bewegen sich im gewöhnlichen Rahmen.

Danach entscheidet der Zustand, und dabei besonders das Naturleder an Henkeln und Ecken. Wasser­flecken, dunkle Griffspuren und abgeriebene Ecken sind die häufigsten Wert­minderer. Innen zählen Gerüche und Abrieb des Futters, außen die Funktion der Reißverschlüsse. Staubbeutel, Schloss, Schlüssel und Rechnung erhöhen den Preis, beweisen aber nichts über die Echtheit.

Verbreitete Irrtümer

Was uns immer wieder begegnet

„Die Seriennummer beweist die Echtheit“

Es gibt keine Seriennummer – was viele dafür halten, ist der Datumscode. Er sagt, wann und wo gefertigt wurde, nicht ob echt. Fälschungen tragen ihn ebenfalls, teils in stimmiger Form.

„Karton und Staubbeutel sind ein Nachweis“

Beides wird in großen Mengen nachgemacht und separat verkauft. Es erhöht den Preis einer echten Tasche, taugt aber nicht als Beleg. Dasselbe gilt für Kopien von Rechnungen.

„Made in USA heißt Fälschung“

Nein. Das Haus fertigt seit Langem auch außerhalb Frankreichs – unter anderem in Spanien, Italien und den USA. Diese Angaben sind völlig regulär.

„Das Naturleder muss hell bleiben“

Im Gegenteil: Unbehandeltes Naturleder wird mit den Jahren honigfarben und später dunkel. Eine sehr helle Lederpartie an einer erkennbar alten Tasche spricht eher für einen Austausch – und der wirkt sich auf den Preis aus.

Häufige Fragen

Das hängt vom Modell ab. Häufig sitzt er auf einer kleinen Lederlasche in einer Innentasche, manchmal direkt in eine Naht geprägt oder in das Innenfutter. Er ist bewusst unauffällig. Wenn Sie ihn nicht finden, ist das kein schlechtes Zeichen – bei Taschen ab 2021 gibt es ihn nicht mehr.
Für eine Vorauswahl ja. Aussagekräftig sind scharfe Bilder der Heißprägung, der Nähte an den Laschen, der Beschläge und des Innenfutters. Endgültig klären lässt sich die Frage aber erst am Stück – Gewicht, Gerüche und Haptik lassen sich nicht fotografieren.
Dann sagen wir es Ihnen und kaufen sie nicht an. Der Handel mit Nachahmungen verstößt gegen das Markenrecht, deshalb ist das für uns ausgeschlossen. Sie haben durch die Prüfung nichts verloren – sie kostet nichts, und Sie wissen anschließend Bescheid.
Nein. Wir prüfen im Rahmen unseres Ankaufs, geben aber keine Zertifikate heraus – dazu ist kein Händler befugt, und auch das Haus selbst begutachtet keine Taschen für Privatleute. Wer ein förmliches Gutachten braucht, wendet sich an einen öffentlich bestellten Sachverständigen.
Meist ja. Gebrauchsspuren sind bei diesen Taschen normal und schließen einen Ankauf nicht aus – sie fließen in den Preis ein. Bitte lassen Sie vorher nichts aufarbeiten: Eine unpassende Lederbehandlung oder ein Austausch der Henkel kostet oft mehr, als sie einbringt.
Höchstens außen trocken abwischen. Lederpflege, Färbemittel und Reinigungsschaum verändern das Naturleder unwiderruflich und erschweren die Beurteilung. Auch Sonnenlicht zum Aufhellen der Patina schadet mehr, als es hilft.
Ja – Portemonnaies, Kartenetuis, Gürtel und Schlüsseletuis gehören dazu, ebenso Koffer und Reisetaschen. Historische Schrankkoffer sehen wir uns besonders gern an, auch in schlechtem Zustand.
Chanel und Hermès kaufen wir ebenfalls an, dazu weitere Häuser. Zu Hermès haben wir eine eigene Seite: Hermès Ankauf Berlin. Einen Überblick gibt Taschen Ankauf Berlin.
Sie schicken uns Fotos, wir geben eine erste Einordnung. Passt das, kommen Sie ohne Termin vorbei oder wir vereinbaren einen Hausbesuch. Die Prüfung dauert wenige Minuten, das Angebot bekommen Sie sofort, die Auszahlung erfolgt bar oder per Überweisung.

Unsicher? Wir sehen es uns an

Schicken Sie uns Fotos der Heißprägung, der Nähte und des Innenfutters. Wir sagen Ihnen, was Sie haben – kostenlos, unverbindlich und ohne Beschönigung.