Ratgeber

Münzen bestimmen: Prägezeichen, Erhaltung und Metallwert

Bei Münzen entscheiden drei Dinge: welche Prägung Sie vor sich haben, in welcher Erhaltung sie ist und wie viel Edelmetall darin steckt. Diese Seite zeigt, wie Sie das selbst eingrenzen – und warum das Reinigen einer Münze der teuerste Fehler in diesem Bereich ist.

Kurz gefasst
Die Angaben im Überblick

Was auf einer Münze steht

Sechs Angaben genügen, um fast jede Münze einzuordnen. Sie stehen alle auf dem Stück selbst – meist klein, aber vollständig.

Das Prägezeichen

Ein einzelner Buch­stabe: A steht für Berlin, D für München, F für Stuttgart, G für Karls­ruhe, J für Hamburg.

Die Jahreszahl

Zusammen mit dem Präge­zeichen ergibt sie den Jahrgang. Bei manchen Serien ist genau diese Kombination selten.

Umschrift und Nennwert

Land, Wert und oft ein Wahl­spruch. Bei alten Münzen führt die latei­nische Umschrift zum Präge­herrn.

Rand und Randschrift

Glatt, geriffelt oder beschriftet. Der Rand verrät Nach­prägungen und zeigt, ob eine Münze beschnitten wurde.

Metall und Gewicht

Silber, Gold oder Kupfer­nickel. Gewicht und Durch­messer sind bei jeder Prägung genormt und lassen sich nachwiegen.

Erhaltungs­grad

Von gering erhalten bis polierte Platte. Der wichtigste Preis­faktor – und der am schwersten selbst zu beurteilende.

Der Erhaltungsgrad ist der Punkt, an dem Selbsteinschätzungen am weitesten auseinandergehen. Eine Münze, die für das Auge tadellos aussieht, kann feine Kratzer im Feld haben, die unter der Lupe sofort auffallen und die Bewertung um mehrere Stufen verschieben. Umgekehrt sind dunkle Tönungen kein Mangel, sondern häufig ein gutes Zeichen – sie belegen, dass an der Münze nicht gearbeitet wurde.

Wie Sie eine Prägung einordnen

Beginnen Sie mit Land, Nennwert und Jahr – damit ist die Prägung meist schon eindeutig. Für deutsche Münzen ab 1871 ist der Jaeger-Katalog das übliche Nachschlagewerk; er nummeriert jede Ausgabe, und diese Nummer ist im Handel die gemeinsame Sprache. Für ältere deutsche Prägungen gibt es eigene Kataloge, für alles Übrige den Weltmünzkatalog.

Danach kommt das Prägezeichen, und hier liegt der Unterschied zwischen alltäglich und gesucht. Dieselbe Münze desselben Jahres kann je nach Prägestätte in ganz unterschiedlicher Stückzahl erschienen sein. Im Kaiserreich waren neben den heutigen fünf Buchstaben weitere in Gebrauch, unter anderem B, C, E und H – ein Hinweis auf Prägestätten, die es später nicht mehr gab.

Beim Silbergehalt hilft die Epoche weiter. Die Silbermünzen des Kaiserreichs haben in der Regel 900 Tausendteile, die Stücke der Weimarer Republik deutlich weniger. Die Fünf-Mark-Münzen der Bundesrepublik der Jahre 1951 bis 1974 bestehen aus 625er Silber, ebenso die Zehn-Mark-Gedenkmünzen bis 1997; die späteren tragen 925er Silber. Bei den Euro-Gedenkmünzen wechselte der Silberanteil mehrfach und entfiel bei den jüngeren Ausgaben ganz.

Was den Wert beeinflusst

Zwei Größen stehen nebeneinander: der Metallwert und der Sammlerwert. Der Metallwert ergibt sich aus Feingewicht und Tageskurs und bildet die Untergrenze – darunter geht kein Preis. Der Sammlerwert kann weit darüber liegen, muss aber nicht. Bei den allermeisten Münzen aus Haushalten liegt er in derselben Größenordnung oder darunter.

Wo der Sammlerwert greift, entscheidet die Verbindung aus Auflage und Erhaltung. Eine seltene Kombination aus Jahrgang und Prägestätte in guter Erhaltung ist der Idealfall; dieselbe Münze abgegriffen ist oft nur noch Metall. Zwischen zwei Erhaltungsstufen können Faktoren liegen, nicht Prozente. Deshalb ist die Beurteilung der Erhaltung der eigentliche Kern jeder Bewertung.

Und die ehrliche Auskunft, die wir sehr oft geben müssen: Sammlungen, die über Abonnements bei Versandhäusern entstanden sind – Jahrgangssätze, vergoldete Kursmünzen, Medaillen mit Zertifikat, aufwendig gestaltete Sammelblätter –, erreichen fast nie die Beträge, die dafür gezahlt wurden. Bei Medaillen kommt hinzu, dass sie kein gesetzliches Zahlungsmittel sind; dort zählt in der Regel nur das Metall.

Verbreitete Irrtümer

Was uns immer wieder begegnet

„Alte Münzen sind selten“

Häufig ist das Gegenteil der Fall. Von römischen Münzen sind große Mengen erhalten, und viele davon kosten wenige Euro. Umgekehrt kann eine Prägung aus den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts sehr gesucht sein, wenn die Auflage klein war. Entscheidend ist die Stückzahl, nicht das Alter.

„Erst einmal sauber machen“

Das ist der teuerste Fehler bei Münzen. Putzmittel, Essig, Zahnpasta und Ultraschall hinterlassen feine Kratzer und nehmen die gewachsene Patina. Für Sammler ist eine gereinigte Münze deutlich weniger wert als eine dunkle. Bitte lassen Sie sie so, wie sie ist.

„Vergoldet ist mehr wert“

Nein, meist weniger. Nachträglich veredelte Kursmünzen sind ein Verkaufsprodukt, kein Sammlerstück. Die Auflage ist hauchdünn und gilt im Handel als Veränderung der Originalprägung. Der Preis liegt darunter, nicht darüber.

„Das Zertifikat belegt den Wert“

Es belegt, dass ein Versandhaus eine Ausgabe herausgegeben hat, mehr nicht. Zertifikate und Echtheitsurkunden sagen nichts über den Marktpreis. Aussagekräftig sind allein Katalognummer, Auflage und Erhaltung.

Häufige Fragen

Das ist das Prägezeichen der Münzstätte. A steht für Berlin, D für München, F für Stuttgart, G für Karlsruhe und J für Hamburg. Bei älteren deutschen Münzen kommen weitere Buchstaben vor, weil es damals mehr Prägestätten gab. Zusammen mit der Jahreszahl bestimmt der Buchstabe die Auflage.
Bitte nicht. Jede Reinigung hinterlässt Spuren, und die Patina lässt sich nicht wiederherstellen. Auch Wasser und ein Tuch sind riskant, weil dabei feine Kratzer entstehen. Wenn eine Münze verschmutzt ist, sehen wir uns das an – bewerten können wir sie auch so.
Am ehesten über Epoche, Gewicht und Durchmesser, denn beides ist bei jeder Prägung genormt. Deutsche Kursmünzen aus Silber gibt es bis in die siebziger Jahre, danach sind Fünf- und Zehn-Mark-Stücke in der Regel aus Kupfernickel. Sicher klären lässt es sich mit einer Prüfung am Stück.
Bei den umlaufenden Kursmünzen meist wenig, weil sie in großen Zahlen erhalten sind. Interessant sind Silberausgaben und einzelne seltene Jahrgänge mit bestimmten Prägezeichen. Bringen Sie die Sammlung vollständig mit, dann suchen wir das heraus – beim Vorsortieren bleibt sonst leicht gerade das Richtige liegen.
Ja, gängige Anlagemünzen ebenso wie ältere Prägungen. Bei Anlagemünzen richtet sich der Preis nach Feingewicht und Tageskurs, bei historischen Goldmünzen kommt der Sammlerwert hinzu. Beides rechnen wir Ihnen offen vor.
Eine gestufte Beschreibung des Zustands, von gering erhalten über schön, sehr schön und vorzüglich bis Stempelglanz und polierte Platte. Die Stufen sind im Handel verbindlich und wirken sich stark auf den Preis aus. Beurteilen lassen sie sich nur am Stück, unter Licht und Lupe.
Ja, wobei die Auskunft oft ernüchternd ausfällt. Medaillen sind kein Zahlungsmittel und werden meist nach Metall gerechnet. Ausnahmen sind alte, künstlerisch bedeutende Stücke und Prägungen mit historischem Bezug.
Ja, bitte bringen Sie einen mit. Beim Ankauf von Edelmetallen sind Händler ab bestimmten Beträgen gesetzlich verpflichtet, die Identität des Verkäufers festzustellen – das ist Routine und dient auch Ihrem Schutz.
Ja. Bei umfangreichen Beständen ist das der praktischere Weg, gerade wenn Alben, Kästen und Schatullen zusammengehören. In Berlin und Hamburg samt Umland ist der Hausbesuch kostenlos und unverbindlich.

Schicken Sie ein Foto des Albums

Ein Überblick über den Bestand und Nahaufnahmen einzelner Stücke genügen für die erste Einschätzung. Kostenlos, unverbindlich und meist noch am selben Werktag.