Ratgeber

Silberpunzen erkennen: Halbmond, Krone und die Zahl daneben

Auf der Unterseite von Bestecken, Leuchtern und Schalen stehen meist nur wenige Zeichen. Sie sagen, ob es Silber ist, wie hoch der Feingehalt liegt und oft auch, wer es gefertigt hat. Diese Seite zeigt, wo Sie suchen und was Sie dort finden – und wo die Zahlen mit Silber nichts zu tun haben.

Kurz gefasst
Die Zeichen im Überblick

Was auf dem Boden Ihres Stücks steht

Seit 1888 gilt in Deutschland eine einheitliche Kennzeichnung: Halbmond und Krone zusammen mit einer dreistelligen Zahl. Davor kennzeichnete jede Stadt selbst, und außerhalb Deutschlands gelten bis heute eigene Systeme. Sechs Zeichengruppen decken fast alles ab, was uns über den Tisch geht.

Halbmond und Krone

Das deutsche Reichs­silber­zeichen, seit 1888 vorgeschrieben. Es steht immer zusammen mit der Fein­gehalts­zahl und gilt bis heute.

Die Fein­gehalts­zahl

800, 835, 900 oder 925 – Anteile reinen Silbers je tausend Teile. 800 ist der verbreitete deutsche Standard, 925 heißt Sterling.

Beschau­zeichen

Vor 1888 kenn­zeichnete jede Stadt selbst: Berlin mit dem Bären, Augsburg mit dem Zapfen, Hamburg mit dem Drei-Turm-Tor.

Meister­zeichen

Ein kleines Bild­zeichen oder Namens­kürzel neben der Zahl. Bekannte Häuser sind Koch & Bergfeld, Wilkens und Bruckmann.

Marken aus dem Ausland

England mit Löwe, Stadt­zeichen und Jahres­buchstabe, Frankreich mit dem Minerva­kopf, Russland mit der Zahl 84.

Zahlen für Versilberung

90, 100 oder 120 nennen die Silber­auflage in Gramm, nicht den Fein­gehalt. Dazu Wörter wie Alpacca oder Neusilber.

Ein Hinweis vorweg, der viele Enttäuschungen erspart: Die Zahlen 90, 100 und 120 stehen auf versilberten Stücken. Sie geben an, wie viel Silber bei der Fertigung auf eine festgelegte Zahl von Teilen aufgetragen wurde. Solche Ware ist häufig gut verarbeitet und schön anzusehen, hat aber praktisch keinen Materialwert. Wer sie mit 800er Silber verwechselt, rechnet um ein Vielfaches falsch.

Wie Sie Herkunft und Alter eingrenzen

Der erste Blick gilt der Kombination. Stehen Halbmond, Krone und eine dreistellige Zahl beieinander, ist das Stück deutsch und nach 1888 entstanden. Fehlt der Halbmond und finden sich stattdessen zwei kleine Bildzeichen, liegt eine ältere Arbeit vor: eines davon ist das Beschauzeichen der Stadt, das andere das Zeichen des Silberschmieds. Vor der Vereinheitlichung wurde außerdem im Lotsystem gerechnet – eine 12 steht dann für 750, eine 13 für rund 812 Tausendteile.

Der zweite Blick gilt den Zeichen aus dem Ausland, denn davon liegt in deutschen Haushalten mehr, als die meisten vermuten. Englische Ware trägt eine Reihe kleiner Punzen, darunter einen Löwen für Sterlingsilber und einen Jahresbuchstaben, mit dem sich das Herstellungsjahr genau bestimmen lässt. Französisches Silber zeigt den Minervakopf, russisches die Zahl 84 für den alten Zolotnik-Feingehalt. Auch das ist Silber, es liegt nur in einer anderen Norm – und beide genannten Werte liegen über dem deutschen 800er-Standard.

Eine Besonderheit sind Arbeiten aus Hanau. Dortige Werkstätten fertigten im 19. und frühen 20. Jahrhundert bewusst im Stil des Barock und setzten dazu frei erfundene Zeichen, die alten Stadtmarken ähneln. Gemeint war das als Stilzitat, nicht als Täuschung, in die Irre führt es bis heute. Erkennbar sind solche Stücke meist daran, dass neben der Fantasiemarke doch der Halbmond mit Krone steht – und der verrät das tatsächliche Alter.

Was den Wert beeinflusst

Bei Silber gibt es eine Untergrenze, die es bei Porzellan nicht gibt: den Materialwert. Er ergibt sich aus Gewicht und Feingehalt und schwankt mit dem Tageskurs. Alles darüber entscheidet sich an Manufaktur, Entwurf und Zustand. Bei schlichter Serienware der Nachkriegsjahre liegt der Preis oft nahe am Materialwert – das sagen wir Ihnen offen, statt eine Sammlerlage zu behaupten, die es nicht gibt.

Deutlich darüber liegen Stücke, bei denen die Gestaltung zählt: Jugendstil und Art déco, Arbeiten bekannter Silberschmieden, ungewöhnliche Formen und große Korpusware wie Terrinen, Leuchter und Tafelaufsätze. Bei Bestecken zählt die Vollständigkeit: ein geschlossenes Service für zwölf Personen im originalen Kasten bringt mehr als die Summe seiner Teile.

Zwei Punkte werden regelmäßig unterschätzt. Erstens sind Messergriffe und viele Leuchterfüße gefüllt – innen sitzt eine Masse, die das Gewicht erhöht, ohne Silber zu sein. Wer nach Waage rechnet, kommt hier zu hoch. Zweitens mindern Monogramme und spätere Gravuren den Preis, weil sie den Kreis der Käufer verkleinern.

Verbreitete Irrtümer

Was uns immer wieder begegnet

„925 ist besser als 800“

Beides ist echtes Silber, nur nach unterschiedlicher Norm. 925 ist der englische Sterling-Standard, 800 der lange übliche deutsche. Der Unterschied im Materialwert entspricht dem Unterschied im Feingehalt – eine Qualitätsstufe ist damit nicht gemeint.

„Die 90 heißt 90 Prozent Silber“

Nein, sie steht für versilbert. Die Zahl gibt an, wie viel Gramm Silber bei der Herstellung aufgetragen wurden. Der Materialwert ist verschwindend gering, auch wenn das Stück schwer in der Hand liegt und von einem bekannten Hersteller stammt.

„Vor dem Verkauf muss es glänzen“

Bitte nicht. Silberputzmittel und vor allem Tauchbäder tragen Material ab und ziehen die Schwärzung aus den Vertiefungen, die bei alten Stücken zur Zeichnung gehört. Angelaufenes Silber ist für uns kein Problem, durchgeputztes schon.

„Ohne Punze ist es kein Silber“

Nicht zwingend. Bei kleinen Teilen, bei abgeschliffenen Böden und bei Ware aus manchen Ländern fehlt die Punze. Ob Silber vorliegt, lässt sich mit einer Prüfung am Stück in Minuten klären – und die machen wir vor Ihren Augen.

Häufige Fragen

Sichere Auskunft gibt nur eine Prüfung am Stück. Sie dauert wenige Minuten und geschieht in Ihrem Beisein. Hausmittel helfen kaum weiter: Ein Magnet schließt bestenfalls Eisen aus, beweist aber kein Silber, und der Klangtest ist reine Erfahrungssache.
Sie stehen auf versilberten Bestecken und geben die aufgetragene Silbermenge in Gramm an, bezogen auf eine genormte Zahl von Teilen. Solche Ware stammt oft von guten Herstellern und ist sauber gearbeitet. Für den Ankauf zählt dabei nicht das Gewicht, sondern allenfalls Hersteller und Form.
Je Gramm ja, weil rund dreizehn Prozent weniger reines Silber enthalten sind. Für den Gesamtpreis ist das Gewicht meist wichtiger als die Norm: Ein schweres Besteck in 800 bringt deutlich mehr als ein leichtes in 925.
Bitte nur abstauben. Politur nimmt bei jedem Durchgang etwas Material mit, und Tauchbäder greifen zusätzlich die gewollte Schwärzung in Ornamenten an. Anlaufen ist kein Mangel, wir rechnen es nicht gegen.
Ja. Einzelne Löffel, verbogene Gabeln, Bruchsilber und Stücke mit alten Lötstellen sind ganz normal. Für den Materialwert spielt der Zustand keine Rolle, für einen Sammlerpreis dagegen schon. Welcher der beiden gilt, sagen wir Ihnen vor Ort.
Meist am Gewicht im Verhältnis zur Größe und an der Naht am Griffende. Fast alle silbernen Messergriffe sind gefüllt, ebenso viele Leuchterfüße. Das ist üblich und kein Mangel. Beim Preis zählt nur der Silberanteil, deshalb wiegen wir solche Teile getrennt.
Das kaufen wir ebenso an. Englische Ware ist über Löwe, Stadtzeichen und Jahresbuchstabe oft aufs Jahr genau bestimmbar, russische über die Zolotnik-Zahl 84 oder 88. Beide Feingehalte liegen über dem deutschen 800er-Standard.
Ja, bitte bringen Sie einen mit. Beim Ankauf von Edelmetallen sind Händler ab bestimmten Beträgen gesetzlich verpflichtet, die Identität des Verkäufers festzustellen – das ist Routine und dient auch Ihrem Schutz.
Ja. Bei größeren Beständen kommen wir zu Ihnen, in Berlin und Hamburg samt Umland ist der Hausbesuch kostenlos. Bitte sortieren Sie vorher nichts aus – gerade beim Silber bleibt sonst leicht das Falsche liegen.

Zwei Fotos genügen für den Anfang

Eines vom Stück, eines von der Punze, möglichst scharf und bei Tageslicht. Wir sagen Ihnen, was Sie haben und was es wert ist. Kostenlos und ohne Verpflichtung.