Meissen-Marken erkennen: die gekreuzten Schwerter richtig lesen
Die Schwertermarke sagt mehr, als die meisten vermuten. Sie verrät die Epoche, manchmal sogar das Jahrzehnt – und über die Schleifstriche auch, ob das Stück als erste Wahl die Manufaktur verlassen hat. Diese Seite zeigt, worauf Sie achten können, bevor Sie ein Stück bewerten lassen.
- Gekreuzte Schwerter, unterglasurblau, seit 1722 in Gebrauch
- Beizeichen datieren: Punkt 1763 bis 1774, Stern 1774 bis 1814
- Striche quer durch die Marke bedeuten zweite Wahl oder Ausschuss
- Die Marke allein entscheidet nicht – Modell, Malerei und Zustand zählen mit
Welche Schwertermarke Sie vor sich haben
Meissen führte die gekreuzten Kurschwerter 1722 ein – als erste Schutzmarke der europäischen Porzellangeschichte, weil das Dresdner Porzellan schon damals nachgeahmt wurde. Über die Jahrhunderte kamen Beizeichen hinzu, und genau die machen die Marke datierbar.
Frühe Schwerter (bis 1763)
Parierstangen gebogen, Klingen ungleich lang, oft leicht schief gesetzt. In den ersten Jahren kommen daneben der Merkurstab und die Buchstaben KPM oder MPM vor.
Punktzeit (1763–1774)
Ein Punkt zwischen den Schwertgriffen. Die Jahre nach dem Siebenjährigen Krieg, häufig mit klassizistischen Formen.
Marcolini-Zeit (1774–1814)
Ein Stern zwischen den Griffen, benannt nach dem Direktor Camillo Graf Marcolini. Gut erkennbar und häufig.
19. Jahrhundert
Schwerter ohne Beizeichen, dafür wechselnde Klingenformen. Beim Zwiebelmuster sitzen die Schwerter ab 1888 im Stiel des Musters.
Pfeifferzeit (1924–1934)
Ein Punkt zwischen den Klingenspitzen, nach Direktor Max Adolf Pfeiffer. Eine kurze und daher gut datierbare Phase.
Schleifstriche
Ein bis vier Striche quer durch die Marke stehen für zweite bis vierte Wahl. Sie sind bewusst gesetzt – und drücken den Preis spürbar.
Ein Vorbehalt gehört dazu: Die Schwerter wurden seit dem 18. Jahrhundert nachgeahmt, teils täuschend ähnlich. Eine Marke allein beweist deshalb nichts. Erst zusammen mit Masse, Glasur, Modell und Malweise ergibt sich ein sicheres Bild – und das lässt sich am Stück in wenigen Minuten klären.
Wie Sie das Alter eingrenzen
Der schnellste Weg führt über die Beizeichen. Punkt zwischen den Griffen, Stern zwischen den Griffen, Punkt zwischen den Klingenspitzen – diese drei Zeichen grenzen jeweils eine überschaubare Zeitspanne ein. Fehlt ein Beizeichen, hilft die Form der Schwerter weiter: Frühe Marken sind von Hand gesetzt und wirken unruhig, spätere gleichmäßiger.
Der zweite Weg führt über die Zeichen abseits der Marke. Viele Stücke tragen eine eingeprägte Formnummer, dazu Zeichen des Drehers und des Bossierers, bei bemalten Stücken häufig eine Malernummer in Aufglasurfarbe. Diese Angaben ordnen ein Stück der Fertigung zu und helfen genau dann, wenn die Schwertermarke allein nicht ausreicht.
- Beizeichen zwischen den Griffen oder den Klingenspitzen
- Form der Parierstangen und Länge der Klingen
- Eingeprägte Formnummer sowie Dreher- und Bossiererzeichen
- Malernummer in Aufglasurfarbe, meist klein und am Rand
- Marke unter der Glasur – beim Darüberstreichen glatt
- Anzahl der Schleifstriche als Hinweis auf die Qualitätsstufe
Was den Wert beeinflusst
Die Marke ordnet ein, den Preis macht das Stück. Entscheidend sind Modell und Entwerfer, die Qualität der Malerei und die Größe. Eine Figurengruppe nach einem Entwurf von Johann Joachim Kändler steht in einer anderen Liga als eine späte Serienfigur, obwohl beide dieselben Schwerter tragen.
Der Zustand wirkt stärker, als viele erwarten. Bei Figuren brechen zuerst Finger, Blüten und ausgestellte Details – fehlende oder geklebte Teile sind sofort sichtbar und schlagen deutlich durch. Bei Servicen zählt die Vollständigkeit: Ein geschlossenes Service bringt mehr als die Summe seiner Teile, während Einzelteile beliebig verfügbar sind.
- Modell und Entwerfer – Kändler, Acier, Hentschel, Scheurich
- Handmalerei gegenüber Druckdekor
- Größe und Aufwand der Ausformung
- Vollständigkeit bei Servicen und Figurengruppen
- Zustand: Haarrisse, Absplitterungen, Restaurierungen
- Qualitätsstufe laut Schleifstrichen
Was uns immer wieder begegnet
„Gekreuzte Schwerter heißt immer Meissen“
Leider nicht. Die Marke wurde seit dem 18. Jahrhundert nachgeahmt – von thüringischen Manufakturen ebenso wie von französischen Werkstätten des 19. Jahrhunderts. Die Unterschiede stecken im Detail: Winkel der Klingen, Strichstärke, Farbton des Kobalts.
„Der Strich durch die Marke ist ein Kratzer“
Nein, er ist bewusst gesetzt. Die Manufaktur kennzeichnet damit Stücke, die nicht als erste Wahl gelten. Ein Strich bedeutet zweite Wahl, mehrere entsprechend weniger. Wegpolieren lässt er sich nicht – und der Versuch fällt sofort auf.
„Die Marke sagt alles“
Sie sagt, wann und wo produziert wurde, aber nichts über Modell, Malerei und Zustand. Zwei Stücke mit identischer Marke können um ein Vielfaches auseinanderliegen. Deshalb sehen wir uns immer das ganze Stück an, nicht nur den Boden.
„Ein Haarriss macht es wertlos“
Nein, er wirkt sich aus, schließt einen Ankauf aber nicht aus. Wichtig ist nur: bitte nichts selbst kleben. Ein unsauber geklebtes Stück ist schwerer zu verkaufen als ein ehrlich beschädigtes, und moderne Klebstoffe lassen sich oft nicht mehr rückstandsfrei entfernen.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob die Marke unter der Glasur liegt?
Was bedeuten die Striche durch die Schwerter?
Mein Stück hat einen Stern zwischen den Griffen. Wie alt ist es?
Ist Zwiebelmuster automatisch Meissen?
Was ist mit Stücken ohne jede Marke?
Sollte ich mein Meissen vor dem Verkauf reinigen lassen?
Wie viel ist mein Meissen wert?
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