Ratgeber

Altes Geschirr verkaufen: was sich lohnt und was nicht

Wenn ein Haushalt aufgelöst wird, steht meist ein ganzer Schrank voll Geschirr da – und niemand weiß, was davon Wert hat. Diese Seite zeigt Ihnen, wie Sie in einer halben Stunde vorsortieren, ohne dabei das Falsche wegzugeben.

Kurz gefasst
Der erste Durchgang

Was in einem alten Schrank Wert haben kann

Nicht alles, was alt aussieht, ist gefragt – und manches Unscheinbare bringt mehr, als man denkt. Diese sechs Gruppen decken ab, was uns bei Haushalts­auflösungen am häufigsten begegnet, jeweils mit einer ehrlichen Einordnung.

Porzellan mit Manufaktur­marke

Gekreuzte Schwerter, blaues Zepter, Rauten­schild oder eine Krone. Hier lohnt der genaue Blick immer – unabhängig vom Aussehen.

Silberbesteck

Massiv­silber trägt 800, 835 oder 925 samt Halbmond und Krone. Versilbert steht 90, 100 oder 150 – der Unterschied ist erheblich.

Kristall und Glas

Blei­kristall ist schwer und klingt beim Anschlagen lange nach. Marken wie Moser, Lobmeyr oder Riedel heben sich klar ab.

Silber jenseits des Bestecks

Leuchter, Schälchen, Tabletts, Zucker­dosen. Sie werden beim Sortieren oft übersehen, weil sie angelaufen sind.

Sammelteller und Jubiläumsware

In großen Stückzahlen produziert. Der Markt dafür ist heute klein – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Alltags- und Steingut­geschirr

Unmarkiertes Gebrauchs­geschirr, Steingut und Melamin haben in aller Regel keinen Markt­wert.

Eine Bitte, weil sie so oft zu spät kommt: Trennen Sie nicht vorab in „aufheben“ und „wegwerfen“. Angelaufenes Silber sieht schlechter aus als bemaltes Steingut, ist aber ein Vielfaches wert. Lassen Sie erst jemanden darübersehen – das dauert wenige Minuten und kostet nichts.

So sortieren Sie in einer halben Stunde

Drehen Sie zuerst von jedem Service ein Teil um und fotografieren Sie den Boden. Marken der großen Häuser – gekreuzte Schwerter, blaues Zepter, Rautenschild – kommen auf einen Stapel, alles mit dem Zusatz Bavaria oder Germany auf einen zweiten, Unmarkiertes auf einen dritten. Dieser eine Handgriff trennt bereits den größten Teil.

Beim Besteck genügt ein Blick auf die Rückseite des Griffs. Eine 800, 835 oder 925 zusammen mit Halbmond und Krone steht für massives Silber. Eine 90, 100 oder 150 steht für versilbertes Besteck – die Zahl gibt an, wie viel Silber auf ein Dutzend Teile aufgetragen wurde. Beides kaufen wir an, aber in völlig unterschiedlichen Größenordnungen.

Was den Preis macht

Beim Porzellan entscheidet die Manufaktur, danach Dekor und Zustand. Ein vollständiges Service einer bekannten Manufaktur mit Handmalerei ist gesucht; dieselbe Form mit Druckdekor liegt deutlich darunter. Serienware der Nachkriegszeit findet nur noch begrenzt Abnehmer, unabhängig vom Erhaltungszustand.

Beim Silber ist es einfacher, weil ein Materialwert mitläuft: Massives Besteck hat immer einen Boden nach unten, auch wenn Muster und Zustand nicht überzeugen. Versilbertes Besteck dagegen wird nach Muster, Hersteller und Zustand bewertet – ein Materialwert entsteht dort praktisch nicht. Bekannte Häuser wie Robbe & Berking, Wilkens oder Koch & Bergfeld heben sich ab.

Verbreitete Irrtümer

Was uns immer wieder begegnet

„Alt ist automatisch wertvoll“

Alter allein sagt wenig. Entscheidend ist, ob es heute Käufer gibt. Ein Service von 1970 nach bekanntem Entwurf kann gefragter sein als ein namenloses Stück von 1900. Umgekehrt liegen viele Erinnerungsstücke aus Ur­großmutters Zeit heute ohne Markt da.

„Silber ist Silber“

Der Unterschied zwischen massivem und versilbertem Besteck ist groß. Massives Besteck hat einen Materialwert, versilbertes praktisch nicht – die Auflage ist hauchdünn. Die Zahl auf der Griffrückseite klärt das in Sekunden.

„Das Silber muss vorher poliert werden“

Bitte nicht. Aggressive Politur trägt Material ab und zerstört bei versilberten Stücken die Auflage. Auch die gewachsene Patina in Vertiefungen gehört zum Stück. Angelaufen ist für uns kein Problem, blank poliert kann eines sein.

„Erst entrümpeln, dann fragen“

Das ist der teuerste Fehler in einer Auflösung. Was einmal im Container liegt, ist weg – und erfahrungsgemäß landet dort genau das, was den größten Teil des Wertes trägt. Erst zeigen, dann entsorgen.

Häufige Fragen

Auf der Unterseite von Tellern, Tassen und Kannen, meist in der Mitte des Standrings. Bei Besteck steht die Punze auf der Rückseite des Griffs, oft nah am Übergang zur Laffe. Bei Glas sitzt eine Marke – wenn überhaupt – im Boden und ist häufig nur eingemündet zu sehen.
800, 835 und 925 geben den Silbergehalt in Tausendteilen an – das ist massives Silber. 90, 100 und 150 geben an, wie viel Silber auf zwölf Besteckteile aufgetragen wurde – das ist versilbertes Besteck. In Deutschland steht bei massivem Silber ab 1888 zusätzlich Halbmond und Krone.
Kein Ausschlusskriterium, aber ein Faktor. Am gefragtesten sind Service für sechs oder zwölf Personen mit den Sonderteilen – Terrine, Platten, Kaffeekanne. Fehlen einzelne Untertassen, ist das unerheblich; fehlt die Hälfte, wird daraus eher ein Restposten.
Staub abwischen genügt. Spülmaschine und Scheuermittel greifen Aufglasurmalerei und Goldränder an, und dieser Schaden ist nicht rückgängig zu machen. Bei Silber gilt: nicht polieren, nur trocken abstauben.
Wenn wir ohnehin eine Auflösung übernehmen, ja – dann wird alles geräumt und sortiert entsorgt. Beim reinen Ankauf sagen wir Ihnen, was wir nehmen, und weisen darauf hin, wofür sich Sozialkaufhäuser oder Nachbarschaftsinitiativen interessieren.
Wenige genügen. Ein Überblicksbild vom geöffneten Schrank, ein scharfes Bild eines Bodens je Service und eines der Besteckgriffe von hinten. Damit können wir in den meisten Fällen schon sagen, ob sich ein Termin lohnt.
Ja. Wenn es um mehr als ein paar Teile geht, kommen wir in Berlin und Hamburg samt Umland kostenlos vorbei. Sie müssen nichts vorbereiten und nichts tragen.
Den sehen wir gleich mit an. Wo altes Geschirr steht, finden sich meist auch Schmuck, Uhren, Bilder oder Münzen. Wenn die Wohnung anschließend leer übergeben werden muss, übernehmen wir auf Wunsch auch die Wohnungsauflösung.
Ja, auf Wunsch schriftlich, Posten für Posten. Das ist besonders bei Erbengemeinschaften wichtig, damit alle Beteiligten nachvollziehen können, was zu welchem Preis abgegeben wurde.

Erst zeigen, dann entscheiden

Ein Foto vom offenen Schrank und eines von einem Boden genügen für den Anfang. Wir sagen Ihnen ehrlich, was sich lohnt – und was Sie sich sparen können.