Ratgeber

KPM-Marken erkennen: Zepter, Reichsapfel und was sie bedeuten

Berliner KPM trägt in der Regel zwei Marken: das blaue Zepter unter der Glasur und den Reichsapfel darüber. Die eine steht für die Manufaktur, die andere für die Bemalung – und beide zusammen grenzen die Entstehungszeit erstaunlich genau ein.

Kurz gefasst
Die Marken im Überblick

Welche KPM-Marke Sie vor sich haben

Als Friedrich der Große 1763 die Berliner Manufaktur übernahm, gab er ihr das Zepter aus dem brandenburgischen Wappen als Marke. Sie ist bis heute in Gebrauch – und weil sie über die Jahrzehnte ergänzt wurde, lässt sich daraus die Zeit ablesen.

Vor der KPM (1751–1763)

Ein W steht für die Manufaktur Wegely, ein G für Gotzkowsky. Beide Phasen waren kurz, entsprechend selten sind die Stücke – und entsprechend gesucht.

Das Zepter (ab 1763)

Kobaltblau, unter der Glasur, von Hand gesetzt. Frühe Zepter wirken schlank und ungleich­mäßig, spätere gleichmäßiger und kräftiger.

Der Reichsapfel (ab 1832)

Über der Glasur aufgetragen, in Blau, Rot, Schwarz oder Grün. Er kennzeichnet nicht die Herstellung, sondern die Bemalung im Haus.

Zepter mit KPM

Ab 1837 treten die drei Buchstaben zum Zepter. Wer nur KPM ohne Zepter findet, sollte genau hinsehen – dazu unten mehr.

Press- und Ritz­zeichen

Eingeprägte Form­nummern, Ritz­zeichen der Dreher und kleine Maler­zeichen ergänzen die Datierung.

Schliff durch das Zepter

Ein Schleif­strich quer durch die Marke kennzeichnet zweite Wahl. Er ist gewollt und lässt sich nicht entfernen.

Ein wichtiger Vorbehalt: Die Buchstabenfolge KPM ist nicht geschützt gewesen und wurde von mehreren Häusern verwendet – Meissen in den ersten Jahren, später bayerische Betriebe. Entscheidend ist deshalb das Zepter, nicht das Kürzel.

Wie Sie das Alter eingrenzen

Der erste Blick geht auf die Kombination. Ein Stück nur mit Zepter, ohne Reichsapfel, stammt in der Regel aus der Zeit vor 1832 – oder es ist ein Weißstück, das die Manufaktur unbemalt verließ. Kommen Zepter und Reichsapfel zusammen vor, liegt die Entstehung danach.

Der zweite Blick gilt der Ausführung. Frühe Zepter sind mit dem Pinsel gezogen und dadurch ungleichmäßig; im 20. Jahrhundert wirkt die Marke sauberer und gleichförmiger. Dazu kommen Press- und Ritzzeichen im Boden, die auf Form und Fertigung verweisen. Zusammen ergibt das meist eine Eingrenzung auf wenige Jahrzehnte.

Was den Wert beeinflusst

Bei KPM entscheidet vor allem die Malerei. Die Manufaktur ist berühmt für ihre Porzellanmalerei – Veduten, Blumenstücke, Porträts und die feinen Bildplatten des 19. Jahrhunderts. Eine handgemalte Ansicht auf einer Tasse steht in einer anderen Größenordnung als dieselbe Form mit schlichtem Golddekor.

Danach zählen Form und Zustand. Gesucht sind die klassischen Service wie Kurland, Neuosier und Neuzierat, dazu die Bildplatten und die Vasen des Historismus. Beim Zustand gilt: Vergoldung ist empfindlich. Abgeriebene Goldränder sind häufig und lassen sich nicht auffrischen, ohne dass man es sieht.

Verbreitete Irrtümer

Was uns immer wieder begegnet

„KPM auf dem Boden heißt Berlin“

Nicht zwingend. Die Buchstaben stehen für Königliche Porzellan-Manufaktur – und diesen Namen führten mehrere Häuser. Meissen nutzte KPM in den 1720er Jahren, später gab es KPM-Marken in Bayern. Maßgeblich ist das blaue Zepter unter der Glasur.

„Zwei Marken bedeuten zwei Hersteller“

Nein, das ist bei KPM der Normalfall. Das Zepter steht für die Manufaktur und liegt unter der Glasur, der Reichsapfel für die Bemalung im Haus und liegt darüber. Beide zusammen sprechen für ein vollständig in Berlin gefertigtes Stück.

„Der Goldrand lässt sich auffrischen“

Technisch ja, wirtschaftlich selten sinnvoll. Neu aufgetragenes Gold unterscheidet sich in Glanz und Ton vom alten und fällt bei Tageslicht sofort auf. Ein ehrlich abgeriebener Rand ist besser als eine sichtbare Auffrischung.

„Weiße Stücke sind nichts wert“

Nicht unbedingt. Die Manufaktur gab Weißware auch an auswärtige Maler ab – diese Stücke tragen dann das Zepter, aber keinen Reichsapfel. Je nach Form und Zeit können sie durchaus interessant sein.

Häufige Fragen

Zwei Erklärungen sind möglich. Entweder stammt es aus der Zeit vor 1832, als es den Reichsapfel noch nicht gab. Oder die Manufaktur hat es als Weißware abgegeben, damit es andernorts bemalt wurde. Welcher Fall vorliegt, zeigt sich an Form, Masse und Malweise.
An der Sauberkeit der Marke und an der Masse. Moderne Zepter sind gleichmäßig gesetzt, das Porzellan wirkt sehr weiß und gleichmäßig. Älteres Porzellan hat oft einen leichten Farbstich und kleine Unregelmäßigkeiten in der Glasur – keine Fehler, sondern Herstellungsspuren.
Eine bemalte Porzellanplatte, meist im 19. Jahrhundert entstanden, oft mit Porträts, religiösen Motiven oder Kopien nach berühmten Gemälden. Sie gehören zum Gesuchtesten, was KPM hervorgebracht hat – vorausgesetzt, die Malerei ist gut und die Platte unbeschädigt.
Kurland ist eine der bekanntesten Formen des Hauses und wird durchgehend nachgefragt. Entscheidend sind Vollständigkeit, Dekorvariante und der Zustand der Vergoldung. Schicken Sie uns am besten ein Foto der Aufstellung und eines vom Boden eines Tellers.
Bitte nur mit lauwarmem Wasser und weichem Tuch. Spülmaschine und Scheuermittel greifen Aufglasurmalerei und Gold an, und dieser Schaden ist endgültig. Auch Ultraschallreiniger sind ungeeignet.
Er kennzeichnet zweite Wahl. Die Manufaktur setzt ihn bewusst, wenn ein Stück einen kleinen Brand- oder Glasurfehler hat. Optisch fällt der Grund oft kaum auf, auf den Preis wirkt sich die Kennzeichnung dennoch aus.
Ja. Einzelne Tassen, Teller, Vasen und Reste aufgelöster Service nehmen wir ebenso wie geschlossene Bestände. Bitte sortieren Sie nichts vorher aus – gerade unscheinbare Teile sind manchmal die interessanteren.
Das hängt stark von Malerei, Form und Zustand ab und reicht von zweistelligen Beträgen für späte Serienteile bis weit darüber hinaus bei guten Bildplatten. Eine belastbare Zahl nennen wir erst nach dem Ansehen – dafür kostenlos.
In unseren Ladengeschäften in Berlin-Charlottenburg und Hamburg-Uhlenhorst, ohne Termin. Bei größeren Beständen kommen wir zu Ihnen. Für eine erste Einordnung genügen Fotos per WhatsApp.

Zepter gefunden? Zeigen Sie es uns

Ein Foto des Stücks und eines vom Boden genügen. Wir sagen Ihnen, aus welcher Zeit es stammt und was es wert ist – kostenlos und unverbindlich.