Sammeltassen: Wert erkennen und richtig einordnen
Fast jeder Haushalt hat welche, und fast alle werden überschätzt. Diese Seite sagt Ihnen offen, welche Sammeltassen heute noch etwas bringen, welche nicht – und woran Sie den Unterschied selbst erkennen können.
- Nachkriegs-Serienware aus Bayern bringt heute meist sehr wenig
- Ausnahmen: Meissen, KPM, Nymphenburg und echte Handmalerei
- Mit der Lupe sehen Sie in Sekunden, ob gedruckt oder gemalt wurde
- Vollständige Trios sind besser verkäuflich als einzelne Tassen
Woran Sie den Unterschied sehen
Sammeltassen entstanden vor allem zwischen den 1950er und den 1980er Jahren – als Geschenk zum Geburtstag, zur Konfirmation, zum Jubiläum. Sie wurden in großen Mengen produziert, und genau das prägt den heutigen Markt. Diese sechs Punkte trennen die Ausnahme von der Regel.
Gemalt oder gedruckt
Mit einer Lupe sofort erkennbar: Ein Abziehbild zeigt ein feines Raster aus Punkten und einen scharfen Rand. Handmalerei zeigt Pinselstriche und leichte Farbaufträge.
Welche Manufaktur
Meissen, KPM, Nymphenburg und Wien liegen in einer anderen Klasse als Serienware mit dem Zusatz Bavaria. Der Boden verrät es.
Malersignatur
Ein kleiner Namenszug oder ein Kürzel neben dem Motiv spricht für Handarbeit und hebt die Tasse deutlich heraus.
Trio oder Einzelstück
Ein vollständiges Trio aus Tasse, Untertasse und Kuchenteller ist besser verkäuflich als die Tasse allein.
Sonderform und Dekor
Ungewöhnliche Formen, Reliefs, durchbrochene Ränder und seltene Dekore heben sich vom Standard ab.
Zustand und Wahl
Haarrisse, abgeriebenes Gold und ein Schleifstrich als Zeichen zweiter Wahl drücken den Preis erheblich.
Wenn Sie nach diesen sechs Punkten bei allem „Nein“ ankommen, haben Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Serienware vor sich. Das ist keine schlechte Nachricht – nur eine, die man kennen sollte, bevor man Zeit in den Verkauf steckt.
Wie Sie eine Tasse einordnen
Der Boden sagt fast alles. Steht dort nur ein Firmenname mit dem Zusatz Bavaria oder Germany, handelt es sich in der Regel um Nachkriegsware aus dem oberfränkischen Porzellanraum – Schumann Arzberg, Seltmann Weiden, Winterling, Lindner, Oscar Schaller und andere. Diese Betriebe haben über Jahrzehnte große Stückzahlen hergestellt.
Interessanter wird es bei den bekannten Manufakturen. Gekreuzte Schwerter stehen für Meissen, ein blaues Zepter für Berliner KPM, ein Rautenschild für Nymphenburg. Auch Königlich Tettau und Weimar tauchen häufiger auf. Zusammen mit der Frage, ob gemalt oder gedruckt wurde, ergibt sich daraus eine belastbare Einordnung.
- Manufakturmarke im Boden – Schwerter, Zepter, Rautenschild
- Zusatz Bavaria oder Germany als Hinweis auf Serienfertigung
- Rasterpunkte unter der Lupe als Zeichen für Abziehbild
- Malersignatur oder Kürzel neben dem Motiv
- Vollständigkeit als Trio, Duo oder Einzelstück
- Schleifstrich durch die Marke als Zeichen zweiter Wahl
Was den Wert beeinflusst
Zur offenen Auskunft gehört: Der Markt für Sammeltassen hat sich stark verändert. Die Generation, die sie gesammelt hat, gibt sie heute ab, während kaum jemand nachrückt. Angebot und Nachfrage stehen dadurch weit auseinander. Für durchschnittliche Nachkriegsware bedeutet das Beträge im niedrigen einstelligen Bereich je Tasse – und bei manchen Serien findet sich überhaupt kein Abnehmer mehr.
Es gibt aber Ausnahmen, und die lohnen sich. Tassen der großen Manufakturen, echte Handmalerei mit Signatur, frühe Stücke des 19. Jahrhunderts, ungewöhnliche Formen und seltene Dekore werden weiterhin gesucht. Deshalb sortieren wir nicht pauschal aus, sondern sehen uns jeden Bestand an – in großen Sammlungen stecken oft zwei oder drei Stücke, die den Rest deutlich übertreffen.
- Manufaktur – großes Haus oder Serienbetrieb
- Handmalerei gegenüber Abziehbild
- Signatur des Malers
- Alter: 19. Jahrhundert deutlich über Nachkriegsware
- Vollständigkeit des Trios
- Zustand von Gold, Glasur und Henkel
Was uns immer wieder begegnet
„Die Tassen waren damals teuer, also sind sie wertvoll“
Der Neupreis von 1975 sagt über den heutigen Markt nichts aus. Entscheidend ist allein, ob es heute Käufer gibt – und bei Serienware der Nachkriegszeit ist die Nachfrage stark zurückgegangen, während das Angebot wächst.
„Der Goldrand ist echtes Gold, das lässt sich einschmelzen“
Es ist zwar echtes Gold, aber in hauchdünner Schicht. Die Menge je Tasse liegt weit unter dem, was eine Rückgewinnung kosten würde. Wirtschaftlich ist daraus nichts zu holen.
„Eine große Sammlung ist mehr wert als einzelne Stücke“
Bei Sammeltassen leider selten. Zweihundert durchschnittliche Tassen sind nicht das Zweihundertfache einer einzelnen – der Aufwand für Sichtung, Lagerung und Verkauf steigt mit. Wertvoll wird eine Sammlung durch einzelne herausragende Stücke.
„Ohne Beschreibung im Sammlerbuch ist nichts zu machen“
Kataloge und Sammlerlisten spiegeln oft einen Markt von vor zwanzig Jahren. Die dort genannten Preise sind häufig nicht mehr erzielbar. Verlassen Sie sich lieber auf eine aktuelle Einschätzung.
Häufige Fragen
Lohnt es sich überhaupt, Sammeltassen anzubieten?
Woran erkenne ich Handmalerei genau?
Was ist ein Trio?
Meine Tassen tragen gekreuzte Schwerter. Ist das Meissen?
Soll ich die Tassen vor dem Zeigen reinigen?
Kaufen Sie auch beschädigte Tassen?
Was mache ich mit Tassen, die niemand mehr will?
Kommen Sie auch zu mir nach Hause?
Ich löse einen ganzen Haushalt auf. Nehmen Sie alles zusammen?
Lieber einmal fragen als zweimal ärgern
Stellen Sie die Tassen nebeneinander, fotografieren Sie zusätzlich einen Boden – wir sagen Ihnen ehrlich, ob sich der Verkauf lohnt.
